“ Es ist zu erwarten, dass diese Form der Berichterstattung die »Zschäpe-Show« begleiten wird. Die Hauptangeklagte wird aller Wahrscheinlichkeit nach keine Aussage machen und weiterhin die stille Oberfläche bieten, auf der Medienmacher ihre Phantasien von der rechtsextremen femme fatale ausbreiten können. Diese Boulevardisierung erfüllt dabei eine ganz objektive Funktion: Die Fragen nach dem Staat und seinen Nazis sowie dem Milieu, das den NSU hervorgebracht hat, werden nicht allzu laut. ”
Das NSU-Prozessspektakel in München
jungle-world.com - 19/2013
Selbstkritik zuspitzen! || jungle-world.com 17/2013
Denjenigen, die tagaus, tagein kaum eine Gelegenheit auslassen, andere zu kritisieren, mangelt es offenbar an der Fähigkeit zur Selbstkritik.
Produktiver Müßiggang statt Arbeitshetze
(Stephan Grigat, DER STANDARD, 30.4.2013)
Das Israelbild in deutschen Schulbüchern: Pädagogik des Ressentiments
jungle-world.com 17/2013
Wem sich bei dieser als unhinterfragbares Tatsachenwissen verkauften antiisraelischen Propaganda, die die Überlebenden der Shoa in zynischer Anerkennung ihrer »traumatischen Erfahrungen« zu Tätern stigmatisiert, die Haare sträuben, an dem ist entweder die deutsche Schulpädagogik gescheitert oder er hat das Glück der frühen Geburt genossen. Denn alle einleitenden Sätze finden sich in aktuellen deutschen Schulbüchern, mit Hilfe derer sich Kinder und Jugendliche hierzulande heute ihre politische Meinung bilden sollen.
Matthias Küntzel zum „Richard-Wagner-Jahr 2013“
Welt am Sonntag, 28. April 2013
“Dass man sich in Deutschland über Wagner betrügt, befremdet mich nicht”, notierte Friedrich Nietzsche vor 125 Jahren. “Die Deutschen haben sich einen Wagner zurechtgemacht, den sie verehren können: … sie sind damit dankbar, dass sie missverstehn”. Selten war Nietzsches Beobachtung so zutreffend wie heute, im “Richard-Wagner-Jahr 2013”.

(Source: shape)
“ So wie diese Leute eine inhaltistische Auffassung von Kunst haben, so unempfänglich sind sie für subversive Strategien wie Satire, Aneignung und Umdeutung. Man kann sich gut vorstellen, wie diese Tippex-Intellektuellen versuchen, einem Dr. Dre auseinanderzusetzen, er möge rückwirkend den Namen seiner stilbildenden HipHop-Crew in „N-Words with Attitude“ umbenennen und die Texte umschreiben („I’m a muthafuckin N-Word“). Oder wie sie auf David Simon einreden, er möge den jugendlichen Drogendealern in „The Wire“ eine anständige Sprache verpassen („Fuck them West Coast N-Words. ‘Cuz in B-more, we aim to hit a N-Word, ya heard“).
[…]
Aber gut, man braucht nicht so tun, als würden diese Leute die politische Kultur gefährden. Sie haben halt etwas gefunden, mit dem sie vorzugsweise als Dozenten für Gender Studies oder Kulturwissenschaft ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die Integrationsindustrie hat viele Jobs zu vergeben, für gewerbliche Opfer wie für gewerbliche Kritiker. ”
Was tun am 1.Mai? || Raus aus dem Alltag - Rein in die Illusion, oder gehts auch anders?
Die Antideutsche Aktion Berlin führt in einem belle-lettre den Freizeitrevolutionären des 1.Mai deren politische Überflüssigkeit vor Augen und ruft dazu auf, dem Revolutionszirkus abzuschwören, um “sich von den Strapazen der Lohnarbeit zu erholen” und “der Faulheit zu fröhnen.”
Wer sich nun also nicht von langweiliger Revolutionsromantik verführen läßt, und auch dem belanglosen Randaleritual nichts abzugewinnen hat, wird besseres mit seiner ohnehin knappen Zeit anzufangen wissen, als seiner persönlichen Verarmung Vorschub zu leisten. Diejenigen Kreuzberger Einwohner, die sich über das ganze Jahr von der allgegenwärtigen Öffentlichkeit der Touristenmeilen in Stress versetzen lassen, werden wohl entweder ein Geschäft aus dem Spektakel schlagen, oder dem elendigen Morloch wenigstens für diesen Tag zu entkommen versuchen. Gute Gründe dafür gibt es ja genug, sei es um Freunde zu besuchen, oder es sich einfach an einem anderen Ort so richtig gut gehen zu lassen - zur Not kann man sich besser da als hier immernoch in ein Buch vertiefen und von einem besseren Leben vorerst träumen.
Ein gutes Buch hat schon manchem die Langeweile versüßt, oder ihm gar über persönliche Krisen hinweg geholfen. Wenn man darüber hinaus noch gewillt ist etwas Gutes zu tun, freut sich der ein oder andere Verlag mit Sicherheit über den Erwerb seiner Druckwerke, wie der Verbrecher Verlag, dessen Bestände erst kürzlich zu großen Teilen einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen sind. Damit wäre gleich vielen geholfen.
Drei Kauftipps zur aktuellen Lage (zudem sei das Durchstöbern der jeweiligen Verlagsverzeichnisse empfohlen):

Niuta Tajtelbaum as a schoolgirl in 1936, when she was already a member of a communist cell. During the German occupation of Poland she became feared by the Nazis as Wanda, the girl with the long blonde braids. Her youthful, innocent attitude, combined with her blonde “norse” hair made her predestined for daring actions: One time she went straight into some high-ranked German official’s heavy guarded office, shooting the Nazi right there and getting out unnoticed, the next time she’s killing a Gestapo-Officer in his own bed. She was also involved in multiple raids and sabotage-actions against the German war machine.
When the Warsaw Ghetto Uprising started, she led a group of communist resistance fighters. Her Unit fought bravely at Krasinski Square and knocked out a German machine-gun nest, as well as an SS artillery stand.
After the destruction of the Ghetto she managed to get out and into a hiding place, but two months after the fightings the Gestapo captured her.
She was tortured to death by the Germans, not betraying one of her comrades nor giving the Nazis any information at all.
(Source: adultcrash)
Today marks the beginning of the Warsaw Ghetto Uprising 70 years ago.
When the Germans decided to “liquidate” the Ghetto as part of the “Endlösung” by starting deportations of 12000 people a day into death camps, the Jewish community didn’t just want to be passive about their annihilation by the Germans and wanted to give them at least so much hell, as long as possible. The battle raged four weeks and the Uprising could only be oppressed by heavy German forces.
The Jewish guerillas had only few firearms and a shitload of Molotov-Cocktails against a German force of over 2000 Waffen-SS, Wehrmacht and police troops, which were supported by heavy artillery and tanks. The Germans also made use of flamethrowers, air strikes and poisoned gas.
In the aftermath the whole Ghetto was destroyed, 12000 Jews died during the fightings, over 30000 got shot afterwards and the 7000 residents who survived the slaughter where deported to death camps and murdered there.
The picture above is from the infamous “Stroop report”, a dossier in the style of a photo album with the cynical title “There is no Jewish quarter in Warsaw anymore” by the German commander of the campaign, Waffen-SS general Jürgen Stroop. He got rewarded for this with an Iron Cross, first class.
The women depicted are captured guerilleras of the Zionist Youth Organisation HeHalutz, who fought in the Guerilla group ZOB. The woman on the right is Malka Zdrojewics, next to her is Rachela Wyszogrodzka. The woman on the left is assumed to be Rachela’s sister Bluma.
They weren’t shot on the spot by the Germans, but deported to Majdanek Concentration Camp. Malka Zdrojewics is one of the few survivors of Majdanek. After her liberation she went to Israel, 75% crippled by the severe tortures she had suffered.
Anläßlich des 70. Jahrestages des Warschauer Ghettoaufstands: Eine Kaufempfehlung aus einem Verlag, der gerade wirkliche Unterstützung benötigt, da ein Großteil seiner Bestände einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen ist. (Verlagsmitteilung zum Außenlagerbrand: http://www.verbrecherverlag.de/service/59)
http://www.verbrecherverlag.de/book/detail/61
(Source: adultcrash)
Warschau - Aufstand für die Würde | Jüdische Allgemeine
Als am 18. Januar 1943 die Deportationen wieder einsetzen, leisten die Juden erstmals Widerstand. Nach vier Tagen, in denen sie fast 7000 Menschen nach Treblinka verschleppt, stellt die SS die Deportationen ein. Obwohl viele ihrer Mitglieder ermordet werden, wertet die Kampforganisation ihr Handeln als Erfolg: »Denn zum ersten Mal werden die deutschen Pläne durchkreuzt. Zum ersten Mal bricht der Nimbus vom unantastbaren, allmächtigen Deutschen zusammen. Zum ersten Mal gewinnt die jüdische Bevölkerung die Überzeugung, es sei möglich, trotz der deutschen Stärke etwas gegen die Absichten der Deutschen zu unternehmen«, erinnert sich Marek Edelman, einer der führenden Mitglieder der Kampforganisation, unmittelbar nach Kriegsende.
(…)
Der Aufstand ist ein Symbol für den Widerstandswillen der Juden, die sich nicht »wie Schafe zur Schlachtbank« führen lassen wollten. Die Möglichkeit, mit der Waffe ihre Würde zu verteidigen, besaßen jedoch nur wenige. Daran erinnerte Marek Edelman, der als einer der wenigen Überlebenden der Jüdischen Kampforganisation nach 1945 in Polen blieb und 2009 verstarb: »Um wie viel leichter erschien das Sterben uns als dem Menschen, der in den Viehwagen steigen, diese Fahrt mitmachen, sein Grab schaufeln, sich splitternackt ausziehen musste.«
Israel wird 65
von Shana Goldberg © Audiatur-Online
Dschungelcamp und wikipedia.
Kulturindustrie und Halbbildung im 21. Jahrhundert
Vortrag & Diskussion mit Detlev Claussen*
Mittwoch, 17.04.2013, 19.30 s.t.
Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle (Saale)
Vor mehr als sechzig Jahren publizierten Horkheimer und Adorno ihre Thesen zur kapitalistischen „Kulturindustrie“, die alle Kunst und alle Kultur in Warenform presst und nur noch Produzenten und Konsumenten kennt. Hatte bürgerliche Kunst in ihren Augen den Profit „nur mittelbar“ angestrebt, und ein autonomes Wesen bewahren können, sei das Neue an der Kulturindustrie des 20. Jahrhunderts „der unmittelbare und unverhüllte Primat der ihrerseits in ihren typischsten Produkten genau durchgerechneten Wirkung. Geistige Gebilde kulturindustriellen Stils sind nicht länger auch Waren, sondern sind es durch und durch.“ Doch nicht nur die Warenförmigkeit der Kulturgüter in Zeiten des warenproduzierenden und -tauschenden Kapitalismus kritisierten die beiden, sondern vielmehr ihren spezifisch ideologischen Gehalt, der das Bestehende naturalisiert und den status quo rechtfertigt: „Der kategorische Imperativ der Kulturindustrie hat, zum Unterschied vom Kantischen, mit der Freiheit nichts mehr gemein. Er lautet: du sollst dich fügen, ohne Angabe worein; fügen in das, was ohnehin ist, und in das, was, als Reflex auf dessen Macht und Allgegenwart, alle ohnehin denken“. Vor einigen Jahrzehnten war neben der allgegenwärtigen Reklame dabei vor allem an die Filmindustrie zu denken, in Deutschland insbesondere an Heimatromane und -filme, dann an sogenannte Soaps. Sie alle präsentierten den vereinzelten Konsumenten Einzelcharaktere und „Einzelschicksale“, und immer auch ihre Versöhnung mit ihren Problemen und damit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen („happy end“).
In einem ganz ähnlichen Zusammenhang kommentierte Heiner Müller: „Am Verschwinden des Menschen arbeiten viele der besten Gehirne und riesige Industrien. Der Konsum ist die Einübung der Massen in diesen Vorgang, jede Ware eine Waffe, jeder Supermarkt ein Trainingscamp.“ Die in den letzten Jahren stattfindende Verschiebung hin zu sogenannten Reality-Formaten im Fernsehen lässt die Rede vom Trainingscamp in neuem Licht erscheinen. Denn massenmediale Formate wie das Dschungelcamp oder die zahlreichen Talentwettbewerbe scheinen Training für eine neue gesellschaftliche Situation zu bieten – die in Zeiten der Krise endgültig zerfallende bürgerliche Gesellschaft, in der die Konkurrenz aller gegen alle auf eine neue Stufe gehoben wird, und wo die offene Erniedrigung und Entmenschlichung von Konkurrenten unvermittelter und unverschleierter sich durchsetzt, als jemals zuvor.
Und auch auf einer anderen Ebene ist von einer Zäsur zu sprechen. Das Internet hat das gesellschaftliche Leben auf allen Ebenen in noch nie dagewesener Stärke durchdrungen. Sogenannte soziale Netzwerke “digitalisieren” reale Beziehungen, permanente Erreichbarkeit und freiwillige Selbstentblößung auf facebook spiegeln scheinbar Entwicklungen auf dem postfordistischen Arbeitsmarkt. Anonymität bietet gleichzeitig Möglichkeiten der Ermächtigung, aber auch der Barbarei. Der „shitstorm“ ermöglicht die anonyme Beteiligung am mächtigen und strafenden Mob, eine gefahrlose Möglichkeit der Befriedigung des narzißtischen Bedürfnisses aus dem heimischen Wohnzimmer. Und auch die „Halbbildung“ der Menschen verändert sich, die Möglichkeit des Abrufens von tagesaktuellem, historischem, enzyklopädischen Wissen zu jeder Zeit und überall, verbunden mit einem Verlust von individuell angeeignetem und internalisierten Wissen führt zu neuen Quantitäten und Qualitäten des “Meinens”.
Detlev Claussen ist eingeladen, um diese Veränderungen zu kommentieren, Thesen zu Kulturindustrie und Halbbildung im 21. Jahrhundert zu formulieren und diese mit uns zu diskutieren.*Prof. Dr. Detlev Claussen ist Publizist und emeritierter Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Universität Hannover. Er studierte u.a. bei Horkheimer, Adorno und Habermas und gehört zu den wenigen Gesellschaftstheoretikern, die sich auch heute noch der Kritischen Theorie verpflichtet fühlen.
(via ki)
(Source: shape)
